Radio-NachrichtenredakteurIn 2.0

Wie sich unsere Arbeit verändern muss und wird.
Ideen von Christoph Ebner.

Die Nachrichtenwelt ist im Wandel. Und die Radiomacher mittendrin. Denn Nachrichtenmachen ist aus Tradition unser Geschäft. Doch wie lange noch? Wie lange noch werden Menschen mit „Nachrichten“ (auch) unsere Sendungen meinen? Und wie müssen sich Radionachrichten verändern in einer Welt, in der es News an jeder Ecke gibt?

So kamen Nachrichten 1932 ins Radio. Beim Drahtlosen Dienst. Und heute?
Darüber berät die Zukunftswerkstatt Radionachrichten.

In der Zukunftswerkstatt Radionachrichten wird über solche Fragen gesprochen. Ab 23. Oktober in Baden-Baden. Zum zweiten mal haben die ARD.ZDFmedienakademie und die Tutzinger Akademie für politische Bildung dafür NachrichtenmacherInnen aus ganz Deutschland eingeladen. Das Ziel: Neue Formate testen. Neue Ideen ausprobieren. In mehreren Workshops. Gastgeber dieses Mal: Christoph Ebner vom SWR. Ein Mann, der sagt: Wir müssen die Radionachrichten um- und weiterdenken.   Hier seine Ideen:

Idee 1:
Mehr Quellen im Blick haben.

  • Wir können uns nicht darauf verlassen, von der Agentur die Erstinformation zu bekommen.
  • Frei zugängliche Pushdienste geben den Takt vor, nicht das B&B-Modell Agentur. Die Nachrichtenagenturen wissen das und werden ihre Geschäftsmodelle anpassen. Sie werden künftig mehr Halbfertigprodukte liefern. (Keine Grundzutaten in der Form der „nackten“ Nachricht, sondern Tickerdienste, Spezialangebote, Webseiten, Ergänzungen zu den von den Kunden selbst generierten Angeboten.
  • Durch die Vielzahl von Quellen und Themen besteht die Gefahr, dass die wirklich wichtigen Themen nicht gesehen werden. (…“vor lauter Bäumen habe ich den Wald nicht mehr gesehen“)

Idee 2:
Mehr Ausspielwege im Blick haben bis hin zum „Channel-Manager“.

  • Die Digitalisierung macht es notwendig, Inhalte nahezu gleichzeitig auf mehreren Kanälen auszuspielen.  Die Medienkonvergenz gibt diese Taktung vor.
  • Mit der Anzahl der Channels nehmen die Anforderungen zu. Zu den klassischen Anforderungen wie zielgruppengerechte Themenauswahl, radiophone Umsetzung von Inhalten und Präsentation von Inhalten bzw. Sendungen kommt neu: Bebilderung von Themen, Onlineschreibe (inklusive Schlagzeilen, Teaser, Cliffhanger texten), ggf. graphische Umsetzung, generieren von spezifischen Social-Media- Inhalten.

Christoph Ebner:  Leitet den Trimedialen Newsroom beim SWR in Baden-Baden. Ist stellvertretender Abteilungsleiter der „Zentralen Information“. Kam über die Badischen Neuesten Nachrichten und den Südkurier zum SWR.  Für sein Projekt „News for Natives“ erhielt er 2013 den Deutschen Radiopreis in der Kategorie „Beste Innovation“. Twittert.

Idee 3:
Mehrwert bieten, wenn die „nackte Nachricht“ schon um den Globus gegangen ist.

  • Viele wichtige Inhalte sind vor meiner nächsten Sendung beim Hörer.
  • Breaking News ist aus User-Sicht Vergangenheit.
  • Radionachrichten müssen mehr bieten als Informationen. Sie müssen Themen sortieren und  Inhalte einordnen
  • Nachrichten müssen emotionaler werden in der Form: Die Hörer müssen noch mehr spüren, dass mir als Macher eine Nachricht wichtig ist.

Idee 4:
In den Radionachrichten darauf konzentrieren, was wir besonders gut können.

  • Stärken ausbauen.
  • Mehr sprachlichen Mut die Dinge einzuordnen.
  • Schnell, einfach, verständlich Orientierung geben.
  • In der gesprochenen Sprache kommunizieren. Das bringt Nähe.
  • Hörer miterleben lassen, dass wir ein Live-Medium sind.
  • Fehler zulassen, wenn wir diese korrigieren und nicht das letzte bisschen Profil wegschleifen.

Idee 5:
Nicht umsetzen, was andere Medien besser können.

  • Wenige Themen umsetzen und nicht die ganze Welt in die Sendung packen.
  • Mut zur Lücke.
  • Auf „Wasserstandsmeldungen“ verzichten.
  • Mehr Ereignisse, weniger Vorschauen.
  • Keine „Tabellen“ vertonen – sondern auf andere Medien verweisen.
  • Mehr Geschichten von Menschen/Protagonisten umsetzen.
  • Regionalität und Nachrichtenwert richtig miteinander verbinden.

Idee 6:
Neue und intelligentere Werkzeuge, um die Vielzahl an Quellen zu beherrschen.

  • Gefordert sind Werkzeuge, die es intelligent schaffen, Quellen zu bündeln.
  • NachrichtenredakteurInnen können sich auf Dauer nicht in einer Vielzahl von Systemen bewegen.
  • Wir brauchen ein neues Redaktionssystem – und nicht eine Vielzahl von Systemen für jede Quelle extra.
  • Hörerposts bzw. Hörer-Rückmeldungen sind Quellen.
  • Newsroom und damit Vernetzung aller Nachrichtenbereiche als Prinzip.

Idee 7:
Mit der Kundschaft auseinandersetzen.

  • Die Kundschaft ernst nehmen.
  • MitarbeiterInnen in die Lage versetzen, sie sich mit der Kundschaft auseinanderzusetzen.
  • Die  Veränderung der Mediennutzung als Chance begreifen.
  • Mit Transparenz den Vorwurf der „Lügenpresse“ bekämpfen.
  • Vertrauen schaffen durch Transparenz und Präsenz.
PS: Diskussion erwünscht. Hier in den Kommentaren oder unter #newsneu auf Twitter.

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