Mein erstes Mal… (Teil 4)

RadiomacherInnen und Ihre Anfänge – eine Mutmachserie.
Heute mit
„Internet auf dem Campus“ (SWR, 1999) von

ReintjesThomas Reintjes: Macht Radio mit Schwerpunkt Wissenschaft und Technik. Er lebt und arbeitet als Freelancer in New York und hat immer noch keine vernünftige Website. Auf http://audio.ventures verbloggt er manchmal Hörtipps und Interviews mit Audiomenschen.

Wie ist das Stück entstanden?

Damals – in diesem Fall im Wintersemester 1998/99 – gab es an der Uni Heidelberg die Arbeitsgemeinschaft Funk. Zusammen mit dem SWR-Studio in Mannheim produzierte dort jedes Semester eine Gruppe Studenten eine Stunde Radio. Jeder von uns hat damals zum ersten Mal ein Aufnahmegerät benutzt, ein Radiomanuskript geschrieben und in ein Mikro gesprochen. Ein SWR-Redakteur hat zwar noch versucht, zu retten, was zu retten war, aber aus heutiger Sicht erscheint es mir unglaublich, dass sie das tatsächlich so gesendet haben. Und mir danach einen Praktikumsplatz gegeben haben! What the…? Naja, die Redakteure dort hatten wahrscheinlich mal ähnlich angefangen.

Was würde ich heute anders machen?

Ich habe mir das Thema doch ausgesucht! Ich war doch begeistert und fasziniert vom Internet! Gerade einmal zwei Jahre zuvor hatte ich zum ersten Mal aus dem Uni-Rechenzentrum eine “elektronische Post” verschickt. (Ich hatte auch begonnen, mir eine „Heimatseite“ zu basteln, aber darüber sollte, wie eigentlich auch über diesen Radiobeitrag, nun wirklich der Mantel des Schweigens gehüllt werden; ich sage nur: Baustellen-GIF!). Warum hört man davon nichts in dem Beitrag?

Es ist ein vollkommen emotionsloser Bericht, von Faszination ist jedenfalls nichts zu spüren – nicht bei den Interviewpartnern und erst recht nicht bei mir. Ich spielte den seriös-steifen Nachrichten-Korrespondenten, meine Interviewpartner gaben sich offiziell.

Das ist etwas, das ich mir auch nach 15 Jahren immer wieder klar machen muss: Emotionen stehen Fakten nicht im Weg – im Gegenteil. Wenn ich es schaffe, Hörer auf der Gefühlsebene zu fesseln, bekommen sie auf der rationalen Ebene auch mehr mit. Das kann Begeisterung sein, Lachen oder Weinen, Hauptsache etwas Menschliches schimmert durch. Niemand hört gerne einem Roboter zu.

Kurz: Weniger Bericht erstatten, mehr reportieren. Nicht nur die Fakten darstellen, sondern auch Begebenheiten. Am besten vor Ort sein, und das heißt oft nicht im Büro des Interviewpartners. Dieser Beitrag wäre viel besser geworden, wäre ich mit meinen Interviewpartnern zu den Baustellen gegangen, in denen gerade Kabel für das Campus-Netz verlegt werden, zu den Internetcafés in der Mensa oder zu den Forschern, die ohne das Internet nicht mehr arbeiten können.

Das alles geht nicht immer und ist aufwändiger als der einfache Bericht. Aber selbst wenn die Zeit knapp ist, was sie nicht war, sollte sich immer ein Weg finden, die Geschichte interessanter zu erzählen, als ich das damals gemacht habe.

 

In der nächsten Folge „Mein erstes Mal…“:
Die schönschlimmen Anfänge von Rebekka de Buhr.
Mit einer etwas „sprach“losen und ungewollt traurigen Reporterin.
Demnächst.

Weitere schönschlimme Erstlinge übrigens erwünscht. Hier lang, bitte.
Zu den bisherigen Erstlingen da lang, bitte.

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