Gehört? Ja. Verstanden? Nein!

Wie viel bleibt hängen von Radionachrichten?
Was Forscher fragen. Was Hörer sagen.
Und wie überraschend (manche) Radiomacher reagieren.

Wie oft eigentlich noch müssen wir reden über Verständlichkeit? Schließlich ist es  doch altbekannt: Radio muss verständlich sein. Wir müssen schreiben, texten, sprechen fürs Hören. Aber tun wir’s? Und noch viel wichtiger: Was heißt das überhaupt? Verständlich sein im Radio?

Die Sprechwissenschaftler Ines Bose, Heiner Apel und Anne Schwenke erforschen genau das. Gemeinsam mit Dietz Schwiesau, dem Wortchef von MDR Sachsen-Anhalt. Und ganz praktisch.

Einen Teil ihrer Antworten haben Sie bei der Zukunftswerkstatt Radionachrichten vorgestellt. 

Und ich sag’s mal banal:
Die Forscher haben herausgefunden, dass Hörer einfache Texte besser verstehen als komplizierte. Und dass „gut“ Gesprochenes besser verstanden wird, als „schlecht“ Gesprochenes (die Forscher nennen es korrekt „sinnvermittelnd“ und „nicht sinnvermittelnd“ gesprochen). „Ach ne??“, seufzen die Durchblicker aus der letzten Reihe. „Das muss man doch nicht erforschen!“

Muss man eben doch. Ganz einfach, weil erst der empirische Test unter kontrolliert wissenschaftlichen Bedingungen zeigt, wie (schockierend) groß die Unterschiede sind. Also wie wenig Hörer verstehen, wenn wir Nachrichten nicht richtig rüberbringen und wie viel, wenn wir es richtig machen.

Die Forscher haben dazu zwei „Extrem-Nachrichtensendungen“ fabriziert. Eine mit langen (Neben-)Sätzen, vielen Bezügen, Fachbegriffen und Synonymen. Und eine mit kurzen Sätzen, klaren Schritt-für-Schritt-Aussagen und sich wiederholenden Begriffen.

Eine der Meldungen war diese hier:

Komplizierte Meldung

Zu einem Führerscheinentzug von drei Monaten wegen Fahrens mit überhöhter Geschwindigkeit hat das Amtsgericht München den Präsidenten des FC Bayern München, Franz Beckenbauer, verurteilt.

Im Rahmen einer Kontrollmaßnahme hatte die Polizei mit einem mobil eingesetzten Lasermessgerät festgestellt, dass der „Kaiser“ in einer Autobahn-Baustelle mit einem Tempo von 155 Stundenkilometern pro Stunde unterwegs war

Im Verlauf des Prozesses bezeichnete der frühere Teamchef der deutschen Fußballnationalmannschaft sein zu schnelles Fahren als Ausnahmen, weil er sonst seinen Flieger nach Südafrika verpasst hätte.

Als Berater unterstützt der Vizepräsident des DFB das Organisationskomitee der nächsten Fußballweltmeisterschaft in Südafrika.

Dem entgegnete das Amtsgericht, dass sich auch der Verkehrsteilnehmer, der wichtige Termine habe, an die Verkehrsregeln halten müsse.

Einfache Meldung

Franz Beckenbauer muss für drei Monate seinen Führerschein abgeben. Das hat das Amtsgericht München entschieden.

Beckenbauer war auf der Autobahn zu schnell gefahren. In einer Baustelle wurde er geblitzt – mit 155 Stundenkilometern

Beckenbauer gab an, er sei nur ausnahmsweise schneller gefahren – sonst hätte er sein Flugzeug nach Südafrika verpasst.

Beckenbauer ist Präsident des FC Bayern München, In Südafrika berät er die Organisatoren der nächsten Fußballweltmeisterschaft

Das Amtsgericht erklärte, auch wer wichtige Termine habe, müsse sich an die Verkehrsregeln halten.

Und wer die beiden Fassungen gesprochen hört, merkt: Da liegen Welten dazwischen.