Schön Dich zu sehen, Radio!

Englischsprachige Kollegen zeigen, wie Radio im Netz sichtbar wird.

Es ist und bleibt ein Problem: Das Internet hat keine Zuhörer. Meistens jedenfalls. Denn Audio allein ist im Netz ein Rohrkrepierer. Geklickt werden Texte, Bilder, Videos, nicht Radiobeiträge.

Der Grund dafür liegt auf der Hand: Das Internet bietet zu viele Ablenkungen. „Zuhören, ohne zu wissen, wohin man den Blick richten soll, fällt vielen Usern schwer.“ – Ein Satz, den ich schon vor einem Jahr geschrieben habe. Damals verbunden mit einem Plädoyer für mehr Audio-Slide-Shows.

Doch es geht noch mehr.

Wie wär’s zum Beispiel mit animierten Interviews? Eine Methode, die man bei „Blank on Blank“ bewundern kann, einem US-amerikanischen Nonprofit-Projekt, das alte Interviews zeichnerisch ins Bild setzt – zum Beispiel diese Aufnahme mit den Beastie Boys:

Ganz ähnlich: Die animierten O-Ton-Portraits bei „Storycorps, „Schön Dich zu sehen, Radio!“ weiterlesen

Warme Unterhosen für den Papst

Geheimnisse eines Rom-Korrespondenten.
Stefan Troendle erklärt, wie er sich auf das „Habemus Papam“ vorbereitet hat.

Selten war ich den Radiokollegen so Gram wie am Abend dieses 13. März, als sie eine der spannendsten Reportagen im Radio für den Verkehrsfunk unterbrachen. Dabei – zugegeben – passierte eigentlich grade gar nichts. Man wartete. Auf den Papst. Den neuen Papst. Denn Franziskus, von dem noch niemand wusste, dass er Franziskus heißt, war frisch gewählt. Vor einer knappen Stunde war der berühmte weiße Rauch aufgestiegen. Jetzt standen die Kollegen Stefan Troendle und Jan-Christoph Kitzler auf dem Petersplatz und moderierten vor einem leeren Balkon, auf dem „der Neue“ erscheinen sollte. Eigentlich. Doch 20 Minuten lang passierte ….NICHTS.

Mit Blick auf einen reglosen roten Vorhang: Live-Reportage über das Warten auf den neuen Papst.

Der Super-GAU. Könnte man meinen. Doch im Gegenteil:
Die Live-Schalte mit Troendle und Kitzler klang spannend wie eine Fußballreportage.

Ich war begeistert. Also schickte ich ein Mail an Stefan Troendle. Und erfuhr, dass der Abend auch für ihn der Höhepunkt seiner bisherigen Laufbahn war.

Blieb die Frage: Wie macht man so was? Wie bereitet man sich auf eine Papstwahl vor? Auf einen Wahlsieger, den man nicht kennt? Ein Ergebnis, das man nicht mal erahnen kann? Und den spannenden Moment des „Habemus papam“? Hier Stefan Troendles Antwort: „Warme Unterhosen für den Papst“ weiterlesen

Zwei Reporter, ein Mikrophon: Wissenschaft als Radioabenteuer

Warum ich die WDR5-Reportagereihe Leo2Go liebe.
Und was man von ihr lernen kann. Tipps vom Macher Michael Lange.

Zwischen gackernden Hühnern und blutigen Hirschhäuten, mal die Nase an gammligen Küchenabfällen, dann Auge in Auge mit einem Wal: Michael Lange und Martin Winkelheide sind Wissenschaftsreporter mit Hang zum Abenteuer. Denn am liebsten gehen sie dahin, wo Wissenschaft und Technik Herzklopfen machen. Und dann reden sie drüber. Mit Experten. Vor Ort. Spontan. Sehr Alltagsnah. Sie lassen sich zeigen, wie „genau was geht“ und „wie man was macht“ – ein bisschen wie „Sendung mit der Maus“ für Erwachsene und für die Ohren.

Wal - oder O-Ton-Fang? Leo2Go interessiert sich für beides (Foto: Anke Westermann)
Wal- oder O-Ton-Fang? Leo2Go interessiert sich für beides (Foto: Anke Westermann)

Das Schönste dabei: Immer hat man als Hörer das Gefühl, der Leidenschaft zu lauschen, dabei zu sein, was mitzuerleben. Wie Leo2Go das schafft, wollte ich von Macher Michael Lange wissen. Hier seine Antwort:

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Radio: Authentisch, ehrlich, gut?

Wie viel Aufrichtigkeit schulden wir unseren Hörern?
Oder: Warum wir Hörfunker mehr übers Handwerk reden müssen.

Enttäuscht. Empört. Verwundert. Die Hörer vor Ort empfangen mich mit fragenden Gesichtern. Sie sind Teil einer großen Radioaktion. Sie gehören zu einem Verein, der sich beworben hat. Der mitmachen will. In seinem Sender. Und jetzt das: Heute morgen war eine von ihnen im Radio zu hören – im Telefongespräch mit XY, dem Star-Moderator der Morgensendung. Und die Begeisterung war grenzenlos. Denn: „Wie war’s so live auf Sendung?“ Und: „Wie is‘ er denn nun, der große XY?“ Die Freunde sind neugierig. Aber die Antwort ist ernüchternd. Denn:„Mit XY hab ich gar nicht gesprochen,“ sagt die Freundin. „Nur mit einer Frau von der Redaktion. Die hat die Antworten aufgezeichnet. Gestern schon.“

Die Freunde können’s nicht fassen: „Soooo läuft das also!?“ Und mich bringen sie in Erklärungsnot: „Macht ihr das immer so?“ Nein. Nicht immer. Aber immer öfter.

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Viele Sprecher, viele Schnitte, eine Story

Lernen von der amerikanischen Sendung “Radiolab
Teil 2: Geschichten erzählen.
Von Tom Leonhardt

Im Deutschen denken viele bei dem Wort „Storytelling“ immer noch an Geschichten vorm Lagerfeuer.

In einigen Kreisen gilt das Wort – neben „Authentizität“ – als das nächste große Ding. Jad Abumrad und Robert Krulwich haben für Radiolab eine ganz besondere Art und Weise des Storytellings entwickelt, die ich in diesem Beitrag gerne etwas näher beleuchten möchte.

„Viele Sprecher, viele Schnitte, eine Story“ weiterlesen

Ein Denkmal für Radiomacher

Eine Liebeserklärung ans Radio feiert Premiere auf der Berlinale

La maison de la radio
Frankreich 2013, Regie: Nicolas Philibert


 
Katharina Thoms über einen Film, der Hörfunker verzaubern muss:

„Ein Denkmal für Radiomacher“ weiterlesen

Low Budget geht auch!

Radio Duisburg beweist: Es muss nicht immer Hollywood sein.
Auch schlichte Audio-Slide-Shows wirken.

Zu aufwändig. Zu speziell. Zu teuer. Es gibt viele Argumente, mit denen Radiomacher sich gegen Audio-Slide-Shows wehren. Trotz der vielen Vorteile. Und trotz der vielen bestechenden Beispiele, die belegen, dass Audios im Netz erst mit Bildern wirken.

Um so erfreulicher, dass Radio Duisburg sich jetzt an eine ganze Audio-Slide-Show-Serie traut. Eine ohne großen Aufwand. Aber mit Wirkung. „Einer von 500.000“ heißt sie.

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„Ich kling‘ gar nicht wie ich!“

Warum klingen Anfänger-Beiträge oft unpersönlich und hölzern?
Und wie macht man’s besser?

Tipps zum richtigen Sprechen und Texten.

„Boah. Das klingt, als wär das gar nicht ich!“ Maxi Konang war irgendwie unzufrieden. Dabei hatte sie grade ihr erstes Stück fürs Uniradio abgeliefert – einen Beitrag über die „Leobots“, eine Truppe von Roboterfreaks und Techniktüftlern.

Aber was ist da bloß mit ihrer Stimme? Und wieso klingt das alles so unnatürlich streng und hölzern? Eben gar nicht wie sie selber. Maxi war ratlos und hat um Tipps gebeten.
„„Ich kling‘ gar nicht wie ich!““ weiterlesen

Gespräch 2.0: Wenn ich wirklich etwas wissen will

Lernen von der amerikanischen Sendung „Radiolab„.

500.000 US-Dollar Preisgeld für eine Radiosendung? Hier in Deutschland wäre das wahrscheinlich unmöglich. In den USA hat die Wissenschaftssendung WNYC Radiolab aber genau diesen Betrag gewonnen: Host Jad Abumrad wurde mit dem MacArthur „Genius“ Grant ausgezeichnet. In der Begründung schreibt die Jury, dass Jad mit Radiolab eine „neue Ästhetik des Radios“ entwickelt hat. Und recht hat sie!

Radiolab begeistert mich schon lange. Denn die Show bietet nicht nur ein innovatives, fürs Radio einzigartiges Sound Design und wunderschöne Geschichten, sondern auch eine Menge an modernen Storytelling-Methoden.

Über meine Liebe zu Radiolab und Twitter habe ich Tom Leonhardt kennen gelernt – einen begeisterten jungen Radiomacher, der für seine Bachelor-Arbeit die Besonderheiten der Radiolab-Sprache untersucht hat. In den nächsten Monaten wird er hier im Blog erklären, wie auch wir so cool, lässig, verständlich klingen können wie die Radiolab-Macher.

Das Geheimnis der Radiolab-Sprache, Teil 1
von Tom Leonhardt

„Gespräch 2.0: Wenn ich wirklich etwas wissen will“ weiterlesen

Mach’s Dir selber – Zukunftsmodell DoItYourself-Radio?

Von der Freude, Programmchefin zu sein.
Oder: Warum mich das Baukasten-Radio DIY.fm fasziniert.
Warum das für uns Radiomacher eine Chance ist.
Und was als nächstes kommen muss.

Was will ich hören? Bei DIY.fm ist man sein eigener Programmchef.
Ein vielversprechendes Experiment.

Ums gleich klar zustellen: Programmchefin sein, ist nicht mein Traumjob im Hörfunk. Nicht im wahren Leben. Nicht, um damit Geld zu verdienen. Aber daheim beim Frühstück, unterwegs im Auto und abends auf dem Sofa? Warum nicht?

Ich hab jedenfalls schon oft davon geträumt, mir ein neues Programm zu basteln aus der Playlist meines Lieblingsjazzsenders aus New Orleans und den Beiträgen „meines“ Regionalprogramms. Außerdem möchte ich auf meinem Kanal abends hören, was im NSU-Untersuchungsausschuss los war, aber auch Musik und Nachrichten aus meinem nächsten Urlaubsland empfangen. Und zwar: OHNE umzuschalten!

Kommt das Radio-Schlaraffenland?

Dieses Wunschradio nach Maß war bislang reine Fantasie. Jetzt wird die zum Teil wahr. Denn DIY.fm macht genau das möglich: Ich kann mir selber zusammenstellen welche Musik und welche Beiträge ich hören will. In EINEM Programm. Mit eigenem Sendeschema nur für mich. Also: Baukasten-Radio zum Selber-Machen!

Zugegeben: Bislang kann man bei DIY.fm nur aus dem Angebot des Schweizer Rundfunks auswählen. Denn eine SRG-Tochter hat das Projekt gestartet. (Erst bei genauem Hinschauen nach Hinweis von Michel Thalis entdeckt: Man kann wirklich beliebige Podcast-Feeds eingeben und programmieren!) Und In der Bedienung ist das Ganze noch nicht perfekt (dazu demnächst ein ausführlicher Erfahrungsbericht). Dennoch: Das Projekt hat zurecht bereits einen Prix d’Europa abgeräumt und ist ein Hoffnungsschimmer. Für Hörer UND Radiomacher!

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Radio für die Augen III

Worauf kommt es beim Bebildern von Audios an?
Ergebnisse eines Workshops mit MDR-Radiomachern in Dresden.

Für alle im Kurs war es das erste Mal. Das erste Mal, dass sie Töne fürs Internet bebildern sollten. Das erste Mal, dass ihre Aufnahmen nicht nur nach was klingen, sondern auch nach was aussehen sollten. Ihr Ziel: Audios mit Audio-Slide-Shows fürs Netz attraktiver machen.

Anderthalb Tage haben sie sich für die Praxis Zeit genommen. Ihr Auftrag: Eine Toncollage bebildern. Ein Mini-Portrait machen. Um die 2 Minuten lang. Hier ein paar der Ergebnisse:

„Radio für die Augen III“ weiterlesen

Es sollte mehr „geschlegelt“ werden!

Warum man bei einer Umfrage auch mal mehr als nur fragen darf.

Weihnachten im Herbst?
Dazu lässt sichs wunderbar „Schlegeln“.

Eins vorneweg: „Schlegeln“ gibt’s nicht. Ich nenn das aber so, weil es einen SWR-Kollegen gibt, der das, worum es hier geht, zur Perfektion gebracht hat: Stefan Schlegel, Reporter im Studio Freiburg. Und immer, wenn ich Umfragen von ihm höre, schmeiß ich mich weg. Warum? Weil sie das gewisse Etwas haben und Stefan bei Umfragen mehr tut, als nur Fragen stellen.

Im Fachsprech würde man vielleicht sagen: das sind „moderierte Umfragen“ oder „Gesprächscollagen“ oder „Talk-Beiträge“. Aber egal wie man’s nennt. Entscheidend ist: Durch „Schlegeln“ kriegen auch altbekannte Umfragethemen Hinhörer-Qualitäten. Denn Stefan unterhält sich eher mit den Leuten, als nur Antworten zu sammeln. Er lässt auch überraschende Wendungen zu und erlaubt sich eine Spur Ironie, ohne andere vorzuführen.

Jüngstes Beispiel: Seine „Umfrage“ zum Thema „Spekulatius im September“.

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