Landwirte mit Durchfall? – Das Problem „Leadsatz“

Er ist kurz. Er ist bündig. Man hört ihn einmal und kann ihn wiederholen. Kurz: Er hat alles was ein guter Leadsatz braucht. Der Satz:

Die Bauern in Baden-Württemberg leiden zunehmend unter den EHEC-Infektionen.

Trotzdem hat mich der Satz heute auf dem Weg zur Arbeit amüsiert. Denn hoppla: Haben die baden-württembergischen Landwirte jetzt alle Durchfall? Natürlich nicht! Es heißt ja, sie leiden „unter“ nicht „an“ den Infektionen. Trotzdem: Die Formulierung klingt unfreiwillig komisch, ist aber offenbar weit verbreitet. Denn:

Bauern leiden unter EHEC

Das melden einige Sender. Bei anderen heißt es:

Bauern leiden unter EHEC-Panik

Schon besser. Aber ist es wirklich Panik, wenn Verbraucher keine Gurken und Tomaten kaufen und damit genau das tun, was das Robert-Koch-Institut rät? Wohl kaum. Und genau genommen klingt das auch wieder als wären die Bauern panisch. Sind sie aber nicht.
Der Preis für die schönste, geradlinigste und stimmigste Schlagzeile geht deshalb an Radio Berg. Dort (und vermutlich auch bei anderen Sendern) wurde schon vor Tagen gemeldet:

Bauern leiden unter EHEC-Warnung.

Das ist korrekt und trifft den Nagel auf den Kopf. Schließlich hat den Bauern die WARNUNG vor EHEC die Einbußen beschert und nicht der Darmkeim selber. Aber zugegeben: Lustiger war die andere Schlagzeile.

Eine Antwort auf „Landwirte mit Durchfall? – Das Problem „Leadsatz““

  1. Wie heiter: Bei dem Versuch auf den Seiten von Radio Berg den Link auf die oben zitierte Schlagzeile zu finden (ging natürlich nicht mehr – die News sind dort immer nur tagesaktuell auf der Seite), bin ich in einem der Radio Berg-Podcasts auf eine ebenfalls unfreiwillig komische EHEC-Moderation gestoßen.

    Denn wie heißt es da?

    Der EHEC-Darmkeim kann im schlimmsten Fall zu Nierenversagen führen und tödlich sein. Fünfzehn Menschen haben das schon erleben müssen.

    Oha? Fünfzehn Menschen haben bereits ERLEBEN müssen, dass der EHEC-Keim TÖDLICH sein kann? Wäre ich sarkastisch veranlagt, würde ich sagen: Ja, aber nur kurz.

    Generell gilt: Vorsicht, wenns um Themen mit Toten und Verstorbenen geht. Da schleichen sich oft so achtlose Formulierunge ein. Immer wieder mal werden im Radio zum Beipsiel „tote Leichen“ gefunden. Oder in der Unfallmeldung heißt es im letzten Satz. „Der Tote starb noch an der Unfallstelle.“

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