Übungen

Lernen heißt: Ausprobieren. Machen. Tun. Und dann bewerten lassen. Genau das kann man hier.
Egal ob Meldung oder Live-Gespräch, Interview oder Umfrage-Schnitt. Hier gibt’s Anregungen für Übungen und wer will, kann die Ergebnisse bei mir einreichen.
Natürlich dürfen es auch Machwerke aus dem eigenen „Radio-Labor“ sein. Auch die werden gegebenenfalls im Blog besprochen. Grundsätzlich gilt: Wer etwas einschickt, ist einverstanden, dass das möglicherweise hier veröffentlicht wird – wenn gewünscht natürlich anonym.

Übungen für

1. Meldungen und Nachrichtenminuten

Eine alte Frau, getötet von einem Mädchen? Möglicherweise aus Notwehr, weil die alte Frau sie und ihren Bruder essen wollte? Eine irre Kannibalengeschichte und im Zweifelsfall durchaus eine Nachricht wert. Blöd nur, dass bislang nur die Gebrüder Grimm über den Fall berichten! Dennoch: Wie könnte „Hänsel und Gretel“ als Nachricht klingen?

Schreibe eine Nachrichtenmeldung zu „Hänsel und Gretel“. Die „Quelle“ findest Du hier.

Von DEM Zaubertrick hat bislang noch nicht mal Harry Potter gehört: Mit ihm kann man unsichtbares Geld sichtbar machen… und: vor Gericht landen. Jedenfalls hat die Polizei einen solchen Geldzauberer festgenommen. In einer Pressemitteilung versucht sie, den komplizierten Trick zu erklären. Zwei Seiten lang. Doch wir hätten das gern als normale Radiomeldung in den Nachrichten!

Schreibe eine Nachrichtenmeldung über den Trickbetrüger-Fall. Die Pressemitteilung der Polizei dazu findest du hier.

Jeden Monat dasselbe: Die Arbeitslosenzahlen. Ein Wust aus Quoten, Daten, Ziffern und Prozentrechnungen. Und daraus muss eine Nachrichtenminute werden, mit der ein Hörer was anfangen kann. Denn Zahlenkolonnen im Radio vorlesen, geht nicht! Aber ganz ohne kommt man eben auch nicht klar. Für Radiomacher deshalb immer wieder eine Herausforderung.

Schreibe eine Nachrichtenminute über die aktuellen Arbeitsmarktzahlen.  Such Dir gegebenenfalls EIN Bundesland/EINE Region/EINE Stadt aus.

Mindestens so verwirrend wie Zahlen sind viele Namen, Funktionen, Einrichtungen in einer Meldung – erst recht wenn sie in dicht bepackten Nebensätzen aufeinanderfolgen:

Beispieldorf/Irgendwo
Der ehemalige Intendant des Landestheaters Musterstadt und derzeitige Chef des Irgendwo-Theaters, Leo Müller, soll am 24. Juni vom Verwaltungsrat des Badischen Staatstheaters zum neuen Generalintendanten in Beispieldorf gewählt werden. Die Findungskommission des Kunstministeriums hat Müller als Nachfolger von Generalintendant Erich Meier vorgeschlagen, der zur Spielzeit 2011/2012 in Ruhestand geht. Müller ist seit der Spielzeit 2005/2006 Intendant des Theaters und Philharmonischen Orchesters der Stadt Irgendwo. Zuvor war er drei Jahre lang Intendant am Landestheater Musterstadt.

Schreibe die Meldung um. Mache sie verständlicher. Einfacher.

Noch mehr Übungsmaterial für Meldungen findest Du zum Beispiel auf presseportal.de oder auf den jeweiligen Landesportalen der Polizei. Aber immer dran denken: Eine Pressmitteilung ist nur eine Pressemitteilung und schildert immer nur eine Sicht der Dinge. Gegebenenfalls braucht es zusätzliche Recherche, um überhaupt eine Meldung schreiben zu können.

Du willst, dass ich Deine Übungen bewerte? Dann schick sie einfach ein.

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2. Umfragen

Umfragen sind ein gutes Übungsfeld für Reporter. Denn: Raus gehen auf die Straße, sich Gesprächspartner suchen, sie befragen und ihre Antworten in guter Qualität aufnehmen – das trainiert alles, was ein Reporter immer wieder braucht. Wie man am besten vorgeht und gute Umfragethemen findet, ist im Buch erklärt. Aber um ohne großen Aufwand den richtigen Schnitt zu üben, hier schon mal Übungsmaterial zum Herunterladen. Es geht um Stimmen zu einem Auftritt des Ex-Bundespräsidenten Horst Köhler.

Mache aus dem Rohmaterial eine Umfrage von maximal 25 Sekunden Länge. Die Umfrage soll später Teil eines Beitrags sein und einen Eindruck davon vermitteln, wie Köhler beim Tübinger Publikum angekommen ist.

TIPP: Ein gutes Schnittprogramm zum Üben ist Audacity, das es kostenlos im Internet gibt

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3. Schnittechnik

siehe Übung „Umfragen“

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4. Beiträge

Eines der häufigsten Probleme beim Machen eines Radiobeitrags, ist: Wie soll ich so viel, so spannendes, so interessantes in zwei, drei Minuten packen? Und wo soll ich anfangen? Tatsächlich ist das das Wichtigste, was ein Radiomacher lernen muss: Weglassen und richtig Strukturieren. Nicht alles erzählen und nicht alles von vorne, sondern das Entscheidende und in einer Reihenfolge, die Interesse weckt. Hier deshalb eine Übung, die genau das trainieren soll:

Es geht um die bewegende aber auch sehr detailreiche Geschichte von Karl-Heinz und Magdalena. Die beiden sind 1964 spektakulär aus der DDR geflohen. Sowohl der Mauerbau als auch der Mauerfall spielen in ihrem Leben eine wichtige Rolle. Der Beitrag könnte zum Beispiel an einem Jahrestag von Mauerbau oder Mauerfall laufen. Eure Aufgabe lautet:

Baut aus den gegebenen Fakten und bereits vorliegenden O-Tönen einen Beitrag über die Fluchtgeschichte von Karl-Heinz und Magdalena. Überlegt Euch genau, in welcher Reihenfolge Ihr die Geschichte erzählen wollt. Lasst weg, was Ihr für überflüssig haltet. Übrigens: Der Beitrag soll auf keinen Fall länger als drei Minuten werden!

Die Fakten:

  • Karl-Heinz aus Hechingen in Baden-Württemberg und Magdalena aus der Nähe von Dresden waren Brieffreunde 1961.
  • Als in Berlin die Mauer gebaut wird, ist Magdalena zu Besuch bei Karl-Heinz in Westdeutschland.
  • Magdalena reist aber über Berlin wieder nach Hause in den Osten, weil die beiden nicht abschätzen können was passiert.
  • Von da an können sie sich kaum noch sehen.
  • Schließlich planen sie zu fliehen. Karl-Heinz will mit einem Sportwagen und mit Magdalena im Kofferraum über den Grenzübergang von Pressburg (damals Tschechoslowakei) fliehen.
  • Anderthalb Jahre dauert die Planung.
  • Magdalena muss Urlaub beantragen und auf Erlaubnis warten. Karl-Heinz muss Geld auftreiben für einen passenden (niedrigen) Sportwagen. Er muss unter der Grenzschranke durchpassen.
  • Niemand darf von ihren Plänen wissen. Nicht mal die Eltern.
  • Immer wieder haben die beiden Angst. Karl-Heinz betet für eine glückliche Flucht im Münster in Colmar.
  • Dann, Ende September 1964: Magdalena verabschiedet sich in den „Urlaub“. Karl-Heinz fährt mit dem Auto in die Tschechoslowakei. Sie treffen sich dort und fahren am Grenzübergang Pressburg Vollgas durch die Schranken. Sie werden beschossen aber nicht verletzt.
  • Magdalenas Mutter erfährt von Nachbarn davon.
  • Danach sieht Magdalena ihr Familie 11 Jahre lang nicht wieder.
  • Zur Hochzeit 1968 darf nur die Mutter nach Hechingen kommen.
  • Den Mauerfall erleben die beiden 1989 in Hechingen. Am Fernseher. Aber die älteste Tochter ist als Mauer-Specht vor Ort. Sie bringt den beiden ein Original-Stück der Mauer mit.

Die O-Töne zum Herunterladen:

Jemand soll sich Deinen Beitrag mal anhören und bewerten? Dann schick ihn mir zu.

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5. Aufnehmen/Sprechtechnik

Richtig, gut und richtig gut sprechen ist Übungssache. Und dem Anfänger helfen in jedem Fall ein paar Stunden Sprecherziehung bei einem Profi. Aber Achtung: Es sollte ein Rundfunk-Sprecherzieher, kein Theaterlehrer sein. Da gibt es große Unterschiede.

Für den Anfang helfen ein paar einfach Aussprache-Grundregeln:

  • In Vorsilben wie bei be-kommen, ge-nommen, be-sonnen, werden die „e“s eher wie „ö“s gesprochen. Ebenso die Endungen: „bö-kommön“,“gö-nommön“, „bö-sonnön“. Gerade für Anfänger ist das schwierig, weil man in dem Bemühen, deutlich zu sprechen, gerne überartikuliert. Also: Lippön lockör. Und bei „e“s bitte nicht auf Breitmaulfrosch machen.

Zum Nachsprechen:
„Er hat alles bekommen und genommen, doch blieb dabei besonnen.“

  • Bis auf das e, dürfen die Vokale gerne ganz offen gesprochen werden. Und erst recht die sogenannten Doppellaute ei, ai, au. Anfänger sind da oft schüchtern und quetschen die Buchstaben zwischen den Zähnen heraus. Doch Vokale geben der Sprache erst Klang. Also: Denkt an den Zahnarzt vor dem Mikrofon! „Schön weit aufmachen!“

Zum Nachsprechen:
„Mein Meister freit ein reizend Weib
Er meint, es sei ein Zeitvertreib!
Allein, was treibt die kleine Maid,
Den Greis zu frein in Eiligkeit?!“

aus: Julius Hey, Fritz Reusch: Der kleine Hey. Die Kunst des Sprechens. Nach dem Urtext neu bearbeitet und ergänzt. Mainz 1956. Seite 35.

  • Das g klingt im Deutschen oft nach ch. Und doch ist es falsch, jemandem im „Fluchzeuch“ einen „guten Tach“ zu wünschen. Umgekehrt ist der „König“ nach den gängigen Ausspracheregeln kein „Könik“, sondern ein „Könich“. Für den Anfänger kann gelten: -igs am Ende eines Wortes werden wie ch gesprochen. Aber eben nur am ENDE eines Wortes. Ein königlicher König ist kurioserweise eine „köniklicher Könich“.

Zum Nachsprechen:
„Der König reiste einen Tag lang im Flugzeug durch die Lande – samt königlichem Gefolge.“


Was die Aufnahme angeht: Auf die sollte man sich gründlich vorbereiten. Das heißt: Einlesen. Stimmübungen machen. Lippen, Lunge, Zwerchfell, Kehlkopf vorbereiten. Schließlich sitzen da unsere Sprechmuskeln. Die wollen aufgewärmt sein. Möglichkeiten dazu gibt es viele:

  • Durch die lockeren Lippen prusten.
  • Lange „A“s und „O“s machen
  • Bei geschlossenen Lippen ein möglichst kräftiges „mmmmm“ summen bis es kitzelt in den Lippen.
  • In den Bauch atmen. Nicht zu viel. Dann die Lippen spitzen und auf einen Punkt an der Wand hin atmen, als wollte man mit dem Atem einen Punkt dorthin zeichnen
  • Ein paar Sätze des Textes, den man gleich lesen soll, mit verschiedenene Vokalen durchspielen. Motto: „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“ – „Dra Chanasen mat dam Kantrabass“- „Dri Chinisin mit dim Kintribiss“….

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6. Collagen, Kollegengespräche und mehr

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7. Live auf Sendung

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8. Moderieren

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3Antworten zu \"Übungen\"

  1. Marco Dambacher

    Genau so eine Seite, solche Übungen habe ich gesucht!
    Ein herzliches Dankeschön an die Urheber/in

    Es grüßt Marco, 21 aus Konstanz am schönen Bodensee

    • Freut mich sehr, wenn die Übungen ankommen. Und wenn Du Deine Übungen besprochen haben willst: Einfach einschicken. Oder wenn Du neue Übungen vorschlagen willst: Lass es mich wissen. Ich freue mich über Rückmeldungen.

  2. Stephan Beuting (@Quhh)

    Bereite gerade ein Seminar vor und finde das wirklich großartig, dass du hier so vorgelegt hast. Auf alle Fälle eine tolle Anregung. Danke und gute Motivation für die restlichen Rubriken.

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