Das können nur Radiomacher: Hinhörgucker!

Selten war Zuhören im Netz schöner:
NPR’s neues Projekt „A photo I love“.

Da kommt man müde vom Frühdienst heim, klickt noch ein wenig rum und dann das: Ein absoluter Hinhörgucker von NPR, der mich von den Socken haut. Denn „A photo I love“ zeigt einmal mehr, wie Internet aussehen könnte, das Hörfunker machen: Ein Internet, das an den Ohren packt. Und dabei genial einfach.

"A Photo I Love" - Screenshot

Ein eindrückliches Foto. Ein gekonnt minimalistisch produziertes Audio.
Und eine ergreifende Geschichte. Man will nur eins: Zuhören.

Denn „A photo I love“ ist nicht viel mehr als ein Standbild mit einem Audioplayer und zu hören ist „nichts weiter“ als die beeindruckende Geschichte zu diesem Standbild.

Die Wirkung ist umwerfend.

Und warum? Weil da ein genialer Foto-Moment auf einen genialen Erzählmoment trifft. Weil da im Foto eine packende Geschichte auf einen einzelnen Augenblick geschrumpft ist. Aber das Audio entfaltet diesen Moment wieder. Und zwar so geschickt und spannungsgeladen, dass Weghören, Wegklicken, „Nicht-zu-Ende“-Lauschen unmöglich ist.

Wie gesagt: Im Prinzip einfach. Und doch höchste Radiokunst. Denn seinen Sog verdankt dieses Ding ganz klar dem gekonnten Audio. Hier haben Radiomacher ihre ganze Erfahrung spielen lassen und die Story gekonnt minimalistisch „vertont“. Mit viel Gespür für Sounddesign.

Wer’s nicht glaubt, der stelle sich einfach mal vor, das wäre ein Foto mit einem Text drunter, oder ein Foto mit einem reinen Erzählton. Die Wirkung wäre nicht annähernd so stark.

Dass mal wieder NPR mit sowas beeindruckt, muss nicht weiter verwundern. Der Radiosender leistet sich ein eigenes Visuals Team. Dessen Job ist es, Radio im Netz sichtbar zu machen. Mal mit mal ohne Audio. Aber immer wirkungsvoll.

NPR ist dennoch nicht das erste Medienunternehmen, das mit „Audiobildern“ experimentiert. Schon im vergangenen Jahr hat mich der Guardian mit seinen „Faces of war“ begeistert, einem Projekt, bei dem Soldaten ihre Geschichten zu Fotos aus dem Irak-Krieg erzählt haben. Auch bei diesem Projekt fand ich die Audios beeindruckend feinfühlig produziert. Mit pointierender Musik und leiser Atmo. Aber kein Wunder: Die Projektleitung hatte Francesca Panetta, eine ehemalige Hörfunkerin und Ex-Feature-Produzentin der BBC.

Und deshalb bleibe ich dabei: Hinhörgucker und Audiobilder, das können nur wir Radiomacher. Und wir sollten es viel öfter tun. Für mehr Zuhörer im Netz.

 

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